Auf der Halde steht man bald im Walde

Der Westen, 05. Mai 2011

Dinslaken/Duisburg. Die Thyssen-Krupp Steel AG (TKS) wird die Bergehalde Wehofen-West abschließen und rekultivieren. Dort sollen weitere naturnahe Lebensräume für Tiere und Pflanzen entstehen.

Geplant wurde das Projekt in enger Zusammenarbeit mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND). Bei der Umsetzung ist ein Biologe für die ökologische Baubetreuung zuständig. Die Vorbereitungen haben begonnen, die eigentlichen Abdichtungs- und Rekultivierungsarbeiten starten ab Juli 2011, nach dem Ende der Vogelbrutzeit.

Die Bergehalde Wehofen-West liegt im Südwesten Dinslakens, südlich der Leitstraße. Im Südwesten grenzt das Gelände an die A 59. Wehofen-West ist eine von zwei Bergehalden am Standort, an dem TKS außerdem die Deponie Wehofen-Nord für Abfälle aus der Eisen- und Stahlerzeugung betreibt. In Betrieb war die Halde von 1935 bis 1984. Gelagert sind dort Abraum aus dem Steinkohlebergbau und Schlacken aus der Stahlerzeugung. Die Zulassung für den Abschlussbetriebsplan hat TKS von der Arnsberger Bergbehörde im Dezember 2010 erhalten.

Form einer
flachen Pyramide

Wehofen-West erhält im oberen Bereich eine luft- und wasserdichte Abdeckung in Form einer flachen Pyramide mit zwei bis drei Prozent Gefälle. Dabei sorgt eine einen Meter dicke Schicht aus Ton oder Lehm dafür, dass keine Niederschläge einsickern. Luftdicht muss die Abdeckung sein, weil in dem Abraum aus dem Bergbau entzündliche Kohlereste enthalten sind. Die oberste Lage schließlich bildet ein einen Meter dicker Rekultivierungs-Boden, auf dem Pflanzen wachsen können.

Im Bereich einer auf dem Plateau geplanten, etwa 5000 Quadratmeter großen Waldparzelle wird der Rekultivierungs-Boden rund drei Meter hoch sein, damit die Baumwurzeln nicht die Dichtung beschädigen. Ein Ringgraben fängt das ablaufende Regenwasser auf und führt es über vier Betonkaskaden an den seitlichen Böschungen zum Fuß der Halde. Dort wird es über Versickerungsbauwerke ins Grundwasser geleitet.

Natur- und Artenschutz spielen bei der Rekultivierung eine zentrale Rolle. Bis auf die Schneisen für die Regenwasserkaskaden bleiben die bereits bewaldeten seitlichen Böschungen unverändert. Nach Einbau der Kaskaden sollen hier ökologisch wertvolle, strukturierte Waldränder entwickelt werden. Diese Struktur wird auch die Waldfläche auf dem Plateau und damit insgesamt fast drei Hektar Wald auf der Bergehalde prägen. Daneben sollen auf dem Plateau Wiesen- und Heckenlandschaften entstehen, wie sie für den Niederrhein typisch sind. Außerdem wird TKS neben einer bereits aufgeforsteten Fläche, die westlich der Brinkstraße und südlich der Leitstraße in direkter Nachbarschaft zum Haldengelände liegt, weitere 1,6 Hektar Wald anpflanzen.

Weil der obere Bereich der Halde zur Vorbereitung der Abdeckung gerodet werden musste, hat man für die dort lebenden Wärme liebenden Tier- und Pflanzenarten an den seitlichen Böschungen als Zwischenlösung insgesamt mehr als 13 000 qm Lebensräume geschaffen. Nach den Abschluss- und Rekultivierungsarbeiten, kann auch das Plateau wieder besiedelt werden. Derzeit leben hier unter anderem Mauereidechsen, die zu den streng geschützten Arten gehören.

Asphalt und Wasserwagen
gegen den Staub

Für die Werksdeponie Wehofen-Nord (nördlich der Leitstraße) hat TKS bei der Bezirksregierung den Antrag für eine Oberflächenabdichtung eingereicht. Hier geht es vor allem darum, die geplante Oberflächenabdichtung der ersten beiden Bauabschnitte dem Stand der Technik anzupassen. Das ursprünglich im Planfeststellungsbeschluss aus 1980 genehmigte Konzept sah keine Oberflächenabdichtung vor. Im Vergleich hierzu sei das neue System erheblich verbessert, so TKS.

Am Abschluss von Wehofen-West gearbeitet wird montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr. Um Staubbelästigungen zu vermeiden, sind die Straßen, die mit Lkw oder Großgeräten befahren werden, teilweise asphaltiert und werden bedarfsabhängig mit Besenwagen gereinigt. Auf unbefestigten Wegen und Flächen sorgen Wasserwagen dafür, den Staub zu binden.