Die ominöse Fliege im Feinstaub-Messgerät

NRZ Lokalausgabe, 20. Februar 2009

BRIEFE AN DIE REDAKTION

Zum Thema Feinstaub schreibt Heinrich Schierl, Kaiserstraße 65 in Duisburg-Walsum:

Da wehte am letzten Samstag ein leichter Wind aus Richtung Kraftwerk Voerde über Overbruch, Vierlinden, Aldenrade hin und die Luftüberwachungsstation an der Sonnenstraße registrierte stetig steigende Werte der Feinstaubbelastung. Schon am Freitagabend war um 21 Uhr mit 82 Mikrogramm/cbm Luft der Grenzwert überschritten. Das steigerte sich, bis am Samstag gegen 8 Uhr mit 102 das Doppelte und um 13 Uhr mit 148 sogar das Dreifache des Grenzwertes erreicht wurde.

Als um 17 Uhr die PM10-Belastung mit 196 auf den vierfachen Grenzwert gestiegen war, wurde die weitere Anzeige der Feinstaubbelastung für die nächsten sieben Stunden ausgeblendet. Erst um 24 Uhr erscheint in der Tabelle wieder ein Wert, mit 98 Mikrogramm immerhin noch das Doppelte.

Eine Aufforderung an das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv), die zurückgehaltenen Werte unverzüglich wieder ins Internet zu stellen, wurde nicht einmal beantwortet. Diese „Geisterwerte” waren bzw. sind aufgrund der Wetterumstände (Wind aus Richtung Kraftwerk Voerde, abnehmende Windstärke) offensichtlich weiter angestiegen, bis sie Sonntagfrüh bei wechselnder Windrichtung und auffrischendem Wind wieder abnahmen.

Und jetzt ist es eine harmlose Fliege gewesen, die die mit Filtern abgesicherte Ansaugvorrichtung der Walsumer Messstation lahmgelegt haben soll? Interessant bei dieser Version ist die Tatsache, dass es nach Entfernen der ominösen Fliege noch wenigstens 13 Stunden gedauert hat, bis der PM10-Wert wieder unter den Grenzwert gesunken ist. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Nebenbei gibt diese Episode Anlass zum Nachdenken: Nicht nur über unsere Umwelt und deren Überwachung im allgemeinen, sondern auch über die Tatsache, dass für die Staubbelastung in erster Linie die Industrie verantwortlich ist und nicht der Straßenverkehr. Wie sonst ist es zu erklären, dass hohe Überschreitungen in Dinslaken bei entsprechender Windrichtung schon mal mitten in der Nacht auftreten, wenn dort gar kein Auto fährt?