Fast eine Werbeveranstaltung

NRZ Lokalausgabe, 29. Februar 2012

Autor: Birgit Gargitter

Dinslaken.

Es sei schade und eigentlich auch ein wenig unverständlich, dass die „Bigg“ (Bürgerinitiative gegen Giftmüll) nicht am Runden Tisch der Stadt Dinslaken zur Deponieerweiterung Wehofen der Thyssen-Krupp Steel AG teilnehme, war der Tenor der Diskussionsteilnehmer am Montagabend. „Die Bigg könnte Knackpunkte reinbringen, an die wir gar nicht denken“, so Birgit Emmerich, Fraktionschefin der Grünen.

Eben die Knackpunkte waren es, die die Teilnehmer des ersten Runden Tisches nicht ausgeräumt sahen. Obwohl der Runde Tisch durch Sachlichkeit geprägt war, spürte man hier und da deutliche Spannungen bei einzelnen Teilnehmern. Das fing bereits mit den Einladungen von Thyssen an Mitarbeiter und Ehemalige an. Zu frisch sind bei den Bürgern wohl noch die Erinnerungen an den Bergbau Walsum, der reihenweise seine Leute aufmarschieren ließ, als es um die Abbaupläne unter dem Rhein ging.

Nun, grundsätzlich sei sicherlich nichts gegen die Einladung zu sagen, immerhin, so einer der Thyssianer, sei er Anwohner im Averbruch. Andererseits war in der Einladung der Hinweis auf Verlust von Arbeitsplätzen vermerkt.

Um die Stahlproduktion an sich und deren Abfallstoffe, um die Geschichte der Deponie Wehofen ging es bei diesem ersten Runden Tisch. Und so entstand fast der Eindruck, einer Werbeveranstaltung des Stahlkonzerns zu lauschen.



„Die Diskussion ist mir zu einseitig“, meinte eine Anwohnerin aus dem Averbruch. Für die zweite Veranstaltung wünschte sie sich Experten aus dem chemischen und mikrobiologischen Fachbereich. Auch die Teilnahme von Naturschutzverbänden wurde gefordert. Denn niemand im Raum könne die Folgen der geplanten Deponiefüllstoffe der Kategorie eins (rund 450 000 Tonnen pro Jahr), Schlacke, Bauschutt und feuerfestes Mauerwerk absehen.

Allein auf das Wort von Professor Gunnar Still (Thyssen Krupp) wolle man sich beim Runden Tisch nicht verlassen, der die Sicherheit der Deponie in Bezug auf das zu lagernde Material, das Grundwasser, den Feinstaub garantierte. „Sagen kann man viel – doch das ist kein Beweis“, so eine Teilnehmerin.

Der Runde Tisch ist eine Veranstaltung der Stadt Dinslaken. Moderiert wird er von Ex-Stadtpfarrer Ronny Schneider. Der nächste Runde Tisch findet am Montag, 19. März, 18.30 bis 21.30 Uhr im ev. Gemeindehaus, Duisburger Straße 72, statt.
Bild 1:
Moderiert den „Runden Tisch“: Ronny Schneider.
Foto: P. Mendel