Spaziergang auf dem Sondermüll

NRZ Lokalausgabe, 21. März 2007

BRIEFE AN DIE REDAKTION

Zur NRZ-Berichterstattung über die geplante Erweiterung der Deponie Wehofen schreibt ein Leser aus Dinslaken (Name der Redaktion bekannt):

Es ist sehr erfreulich, dass Sie mit dem Artikel über die Vergrößerung der Schlackenhalde in Wehofen die Sensibilität der Bürger für ein solches Vorhaben geweckt haben. Die bisherigen Leserbriefe treffen leider nicht den Kern der zu erwartenden Umweltbelastung. Da berichtet ihre Zeitung über ein Verbot von Osterfeuern in Voerde und Dinslaken, da sollen Sperrzonen für Kraftfahrzeuge eingerichtet werden, da wird der Bau eines Kohlekraftwerkes gestoppt, wegen der zu erwartenden Feinstaubbelastung. Gleichzeitig soll aber die Schlackenhalde erweitert werden. Da bläst der Wind 365 Tage im Jahr über die Halde und keiner redet von Feinstaubbelastung. Wo bleibt da die Verhältnismäßigkeit?

Außerdem ist ja bekanntermaßen das Bergwerk Lohberg geschlossen und das Bergwerk in Walsum soll bald geschlossen werden. Da gibt es so viele Löcher, die leicht mit der anfallenden Schlacke verfüllt werden können. Es gibt sogar noch vorhandene Eisenbahnanbindungen, sodass die Schlacke nicht einmal über die Straße mit Lkw transportiert werden muss. Man muss ja nicht aus jeder alten Trasse gleich einen Fahrradweg machen. Positiv wäre auch, dass für einige Bergleute der Arbeitsplatz über Jahre gesichert wäre.

Nun wird manch einer sagen, dass die Schlacke zu stark belastet ist, um sie in einem Bergwerk zu verbringen. Das kann aber nicht ganz stimmen. Wenn die Schlacke über Tage gelagert wird, läuft das Sickerwasser auch ins Grundwasser und dagegen hat keiner etwas.

Manch einer wird einwenden, es sei zu teuer und Thyssen könne im Zuge der Globalisierung nicht bestehen. Der Konzern kann aber ca. 450 Millionen Euro für verbotene Preisabsprachen an die EU bezahlen und hat außerdem im letzten Geschäftsjahr meines Wissens vier Milliarden Euro vor Steuern verdient.

Nun berichtet Ihre Zeitung heute über eine “schöne grüne Haldenwelt”. Also ein paar Bäume gepflanzt, ein bisschen Wasser Drumherum und schon ist die Welt wieder in Ordnung und die Industrie kommt wieder mit einem blauen Auge davon. Die Bürger sind beruhigt und können dann einen ausgiebigen Spaziergang auf dem Sondermüll unternehmen.