Feinstaub oder kein Staub

NRZ, 07. April 2009, Heinz Ingensiep

Staub oder nicht Staub? Das ist hier die Frage. Fest steht laut Landesumweltamt (Lanuv): Die Feinstaub-Messstation an der Wilhelm-Lantermann-Straße hat wegen „messtechnischer Probleme mit neu entwickeltem Gerät” fehlerhafte, weil überhöhte Werte angezeigt. Damit steht Dinslaken nicht allein – auch in Dortmund, Essen, Köln und Recklinghausen kam es mit baugleichen Geräten zu „Fehlmessungen”. Doch für Dinslaken hat das ärgere Konsequenzen. Sämtliche lokalen Messdaten aus dem vorigen Jahr sind vom Lanuv „verworfen und aus dem Datenbestand gelöscht” worden, wie es dort hieß.

Den betroffenen Kommunen wurde das (mit Sperrfrist bis zum gestrigen Montag) bereits am letzten Freitag mitgeteilt, so auch dem Dinslakener Planungsamt. In einer siebenseitigen Erklärung wurden die „messtechnischen Probleme” dargelegt. Das fehlerhafte Gerät stamme von einem amerikanischen Hersteller und einer deutschen Vertriebsfirma. Aufgeklärt worden seien die Mängel bei „umfangreichen Qualitätssicherungsmaßnahmen” der Behörde.

Austausch veranlasst

Man tue alles, um die Probleme schnellstmöglich zu beheben, teilte das Lanuv mit. Auch für die Station in der Dinslakener Innenstadt sei ein Geräteaustausch bereits veranlasst worden.

Erklärt werden die Probleme der Geräte damit, dass so genannte „Nullpunktverschiebungen zwischen 5 und 13 Mikrogramm Feinstaub je Kubikmeter Luft” vorgekommen seien. Das habe dazu geführt, dass selbst in partikelfreier Luft Feinstaub „vorgetäuscht” worden sei und die angezeigten Messwerte „erheblich zu hoch” ausgefallen seien. Ähnliche Probleme seien auch in anderen europäischen Ländern aufgetreten.

Eine nachträgliche Korrektur der 2008-Werte sei nicht zu verantworten. Daher habe man sich zur Löschung aller Daten entschlossen, erklärte Dr. Klaus Vogt vom Lanuv.

Da in den übrigen betroffenen Kommunen bereits Luftreinhaltepläne existieren, haben die mangelhaften Messergebnisse nur auf Dinslaken Auswirkungen. Da hier die Messungen erst im Januar 2008 begonnen wurden, fehlen jetzt Daten für die Aufstellung eines Luftreinhalteplanes. Der befindet sich bereits in Vorbereitung und sollte eigentlich im Herbst in Kraft gesetzt werden. „Die Arbeiten dazu werden vorsorglich fortgesetzt”, ließ das Umweltamt wissen.

Modellrechnungen

Zur Beurteilung der Staubbelastungen will man, ergänzend zu den durch ein Austauschgerät erfolgenden Messungen in diesem Jahr, „Modellrechnungen” durchführen. Die sollen sowohl die lokalen Konzentrationen von Feinstaub (PM 10) im Bereich der Wilhelm-Lantermann-Straße als auch den Einfluss industrieller Quellen wie der Kraftwerke in Voerde und Walsum aufs Stadtgebiet berücksichtigen. Klartext Ein Jahr Arbeit „für die Katz'”: Die Feinstaubmessstation an der Wilhelm-Lantermann-Straße.